Jung und auch älter gediente Eltern wissen die Dienste des elektronischen Babysitters gleichermaßen zu schätzen. Egal ob der Nachwuchs erst frisch ins häusliche Umfeld eingezogen ist oder ihn später mal wieder böse Viren quälen – ein wachsames Babyphone entspannt die Situation für alle Beteiligten. Schon der kleinste Muckser wird sicher ins Wohnzimmer übertragen, und den alarmierten Eltern bleibt dann nur noch auszuhandeln, wer aktuell nach dem Rechten schaut.
Die drahtlose Übertragung von Babys Alarmgebrüll funktioniert inzwischen nicht nur in den eigenen vier Wänden, denn die meisten Geräte haben Reichweiten von mehreren hundert Metern. Die neu zugelassenen 446 Megahertz Walkie-Talkies mit Babyphonefunktion überbrücken unter günstigen Empfangsbedingungen sogar Distanzen von mehreren Kilometern. Dementsprechend hoch ist auch die Sendeleistung ausgelegt. Zusätzlich überprüfen viele Geräte mit einem regelmäßig ausgesendeten Reichweitensignal den Abstand zwischen Sende- und Empfangsstation und schlagen Alarm, wenn der Abstand zu groß wird.
Wir wollten wissen, wie die aktuelle Belastungssituation aussieht, und haben 22 Babyphone zwischen 27 und 160 Euro im Labor auf Strahlenbelastung und bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Drei Babyphone verrichten ihre Überwachungsaufgabe mit “gutem” Erfolg, zwei Geräte sind “befriedigend”, sieben Modelle mussten wir mit “ausreichend” und zehn Babyphone sogar mit “mangelhaft” oder “ungenügend” bewerten.
Besonders problematisch sind zwei Geräte von Hersteller Philips. Das Babyphone SBC SC 484 DECT und das Babyphone SBC SC 486 DECT arbeiten, wie DECT-Telefone, mit gepulster elektromagnetischer Strahlung und das als Dauersender. Im Schlafzimmer haben diese Geräte rein gar nichts zu suchen.
Keines der getesteten Babyphone hält im Netzteilbetrieb die Grenzwerte für elektrische Wechselfelder der weltweit akzeptierten TCO-Norm für Computermonitore ein. Sogar in einem Meter Abstand wird der Grenzwert von zehn Volt pro Meter (V/m) noch deutlich überschritten. Erst bei einem Messabstand von zwei Metern können wir hier Entwarnung geben. Was für einen Computerarbeitsplatz längst akzeptierte Norm ist, scheint also für die nächtliche Regenerationsphase von Kleinkindern nicht zu gelten. Hier könnte man schon durch geerdete Zuleitungen und eine bessere Abschirmung Abhilfe schaffen.
Das gleiche Bild bei den magnetischen Wechselfeldern: Die von uns nicht bewerteten Netzteile überschreiten in jedem Fall die TCO-Norm von 200 Nanotesla in 30 Zentimeter Abstand. Erst bei einem Abstand von einem Meter reduzieren sich die gemessenen Werte auf ein akzeptables Maß. Auch hier gilt also einmal mehr: Abstand halten.
Eine Reichweitenkontrolle gibt es bei elf Geräten. Auf den ersten Blick eine nützliche Zusatzfunktion. Leider wird das Abfragesignal ständig in kurzen Intervallen, je nach Gerät alle ein bis zehn Sekunden, ausgesendet. Zusätzliche Elektrosmogbelastung ist die Folge. Ohne Reichweitenkontrolle, dafür gleich als Dauersender konzipiert, ist das Fisher-Price Sounds n’ Light Monitor Babyphone. Anders als bei denbeiden DECT-Geräten wird hier aber keine gepulste elektromagnetische Strahlung eingesetzt, sondern ungepulste Analogstrahlung.
Bei der Strahlungsstärke der Funkimpulse, gemessen in Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m²) zeigt sich ein trauriges Bild. Während fünf Geräte in dem von den Herstellern empfohlenen Sicherheitsabstand von einem Meter mit geringen Strahlungsstärken arbeiten, disqualifizieren sich hier 17 Babyphone. Sie überschreiten den von uns als sinnvoll angesehenen Vorsorgewert von 100 µW/m². Besonders problematisch hier, neben den beiden DECT-Geräten, die neu zugelassenen Mobilfunkgeräte mit Babyphonefunktion. Bei Empfangsreichweiten von bis zu fünf Kilometern ist zwangsläufig auch die Sendeleistung entsprechend hoch.
In allen Geräten fand unser Labor chlorierte Kunststoffe, die in der Müllverbrennung Dioxine bilden können. Nur vier Geräte sind frei von halogenorganischen Flammschutzmitteln, die ebenfalls ein Problem bei der Müllverbrennung darstellen.