Es war nicht ganz einfach, die werdende Mutter vom Bugaboo abzubringen. Unbeirrbar hatte sie sich in den Kopf gesetzt, jenen holländischen Designerkinderwagen anzuschaffen, den nicht nur Claudia Schiffer, Gwyneth Paltrow und Heike Makatsch besitzen, sondern buchstäblich jede ambitionierte Prenzlauer-Berg-Mutter, die nicht dank In-Vitro- oder IXI-Methode mit Zwillingen gesegnet wurde. Die Bugaboo-Community, die sich in Internet-Foren ihrer bedingungslosen Begeisterung rückversichert, hat Züge einer Sekte angenommen. Dabei ist das Gefährt selbst zu einer Art inversem sozialen Stigma mutiert: Bugaboo-Mütter, das sind die, die ihre Kinder Finnja oder Loris nennen und diese kurz nach der Geburt in Englischsprachkurse stecken.
Sophistische Argumente wie “Du wirst zu deinem eigenen Klischee, Schatz” prallten ab. Der Verweis auf die mangelhafte Geländegängigkeit wurde mit dem Vorzug der Wendigkeit und des geringen Gewichts gekontert. Der daraufhin erbrachte Nachweis, dass der von Freunden empfohlene EasyWalker SKY im Buggy-Modus nur neun Kilo auf die Wage bringt, verglichen mit 11,6 Kilo beim Bugaboo, wurde dreist gekontert mit: “Das Internet lügt.” Erst Breitseiten gegen die Ästhetik (“sieht mit den kleinen Vorderrädern aus wie ein Rollator”) brachten einen Umdenkprozess in Gang und schließlich die überraschende Wende.
Die ebenfalls aus niederländischen Designwerkstätten stammende Alternative schlägt mit 628 Euro gegenüber den mindestens 800 beim Bugaboo zwar nur unwesentlich billiger zu Buche, dafür sieht der EasyWalker mit seinen drei gleichgroßen Rädern, seinem Alu-Rahmen und den Teleskop-Stoßdämpfern aus wie ein ernst zu nehmendes Fahrzeug und nicht wie eine Gehhilfe. Tatsächlich überzeugen Handling und Fahreigenschaften im ersten innerstädtischen Praxistest vollumfänglich.
In wenigen Sekunden ist der Unterbau entfaltet, die Babyschale eingerastet. Der mit Spezialgummi ummantelte Schiebebügel fasst sich an wie das Rigg eines Surfbretts. Wo der Bugaboo notorisch übers Kopfsteinpflaster hoppelt und schwankt wie ein altersschwacher Unimog, besticht der EasyWalker durch sein straff ausgelegtes Fahrwerk, das an britische Sportwagen erinnert. Zwar wirkt die ruppige Erdung der Fahrgastzelle auf Dauer etwas ermüdend auf den Insassen, aber das soll sie ja gerade.
Mit dem um 360 Grad schwenkbare Vorderrad kommt eine direkte und agile Lenkung hinzu. Es ist, als würde man mit dem Finger Kurvenlinien in den Sand malen. Selbst die stolze Mutter ist unmittelbar angetan vom EasyWalker SKY und schiebt ihre anfängliche Verirrung auf die Schwangerschaftshormone. Mittlerweile hat sie für den Bugaboo und seine Fahrerinnen nur noch Verachtung übrig. Nur dessen Getränkehalter vermisst sie mitunter schmerzlich.
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